Über das Erziehungs- und Bildungsgeschehen in der Gemeinde Irgertsheim vor 1900 existieren nur wenig Quellen und Unterlagen. Nur einige Hinweise aus den Pfarrbüchern, Gemeindebüchern von Irgertsheim und Matrikelbücher geben spärlich Auskunft:
So soll schon vor 300 Jahren ein Schulhaus existiert haben und zwar im alten Mesnerhaus (Dollinger). Es brannte später ab.1777 wurde ein Mesner und Schullehrer in Irgertsheim verpflichtet. Dieser Zustand war nur von kurzer Dauer. Von ungefähr 1800 ab gingen die Kinder von Irgertsheim in den Nachbarort Pettenhofen zur Schule. Man nimmt an, dass die Kinder aus Irgertsheim von 1800 bis 1910 diese Schule besuchten.
Nachdem die Kinder fast 120 Jahre die Schule von Pettenhofen besucht hatten und die Schülerzahlen stark angestiegen waren (Irgertsheim: 63 Schüler), dachte man 1906 in Pettenhofen daran, einen 2. Schulsaal oder gleich ein neues Schulhaus zu bauen. Irgertsheim sollte dabei 2/3 der Lasten für den Neubau tragen. Der Gemeinderat und die Bürger von Irgertsheim machten sich Gedanken. So ist im Beschlussbuch u.a. zu lesen:
16.06.1908: Antrag auf Ausschulung der Gemeinde Irgertsheim aus der Schule Pettenhofen
24.02.1910: Beschlussfassung des Schulhausbaus
28.08.1910: Finanzierungsplan des Schulhausbaus
Der Bau der neuen Schule wird im Sommer 1910 begonnen. Infolge des Hochwassers geriet der Bau aber ins Stocken, weshalb er im gleichen Jahr nicht mehr zu Ende geführt werden konnte.
Trotzdem wurde am 1. Dezember 1910 die Schule Irgertsheim mit 63 Schulkindern und 19 Sinntagsschülern errichtet. Als vorübergehendes Schullokal wurde die Zechstube in der Seilerschen Gastwirtschaftgemietet, bis die Vollendung des Baus am 01.07.1911 das Beziehen des neuen Schulhauses gestattete. In dieser Zeit ist bereits der erste Lehrerwechsel zu verzeichnen. Seit 1922 ist ein steter Lehrerwechsel festzustellen.
Ab 1.2.47 wird die Schule Irgertsheim zweiklassig, bedingt durch den Zustrom der Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland. 1962 wird die Schule wieder einklassig. Dieser Zustand bleibt bis 1965.
Es enthielt nur einen Schulraum, 2 Aborte und einen Gang. Das Lehrerwohnhaus war im Gegensatz dazu großzügig erbaut. 1923 erhielt die Schule elektrisches Licht, 1929 eine Wasserleitung. 1950 wird das Zimmer im Paterre für die landwirtschaftliche Berufsschule zur Verfügung gestellt, nachdem dieser Raum von 1945 bis 1950 von einem pensionierten Flüchtlingslehrer bewohnt war. Man trägt sich mit dem Gedanken des Anbauens oder Aufstockens eines zweiten Schulsaales. Von 1958 an gibt es aber ständig Verhandlungen wegen einer neuen Schule, da die Gemeinde Pettenhofen auf den Neubau einer Schule drängt. Pettenhofen will unter allen Umständen seine eigene Schule erhalten
Die Gemeinde Pettenhofen drängt immer stärker bei den Behörden, denn sie ist gezwungen wegen des stark baufälligen Hauses. 1959 wird mit dem Bau begonnen in der stillen Überzeugung, dass es dem Landrat gelingen werde, die Gemeinde Irgertsheim hinüberzubringen. Im Dezember 1960 wird die neue Schule mit nur einem Klassenzimmer eingeweiht. Küche und Werkraum bleiben im Rohbau, die Schülerzahlen sind zu klein, denn die Irgertsheimer bleiben aus. Die Gemeinde Irgertsheim treibt ihre Schulbaupläne weiter und will auf keinen Fall nach Pettenhofen, obwohl die beiden Dörfer nur 1000 Meter auseinander liegen und zudem eine Pfarrei bilden.
In Irgertsheim gibt man trotz der schlechten Schulverhältnisse den Plan, am alten Schulhaus anzubauen endgültig auf wegen der engen und begrenzten Raumverhältnisse. Die Regierung von Oberbayern besichtigt den Ort wegen eines Neubaus. Nachdem Lage, Räume und Finanzierung bis 1962 festgelegt waren, kommt es zu einem schweren Rückschlag.
Zum Schuljahresbeginn 1962/63 tritt ein schwerer Rückschlag für die Schulhausplanung ein. Die Schule Irgertsheim wird einklassig. Grund: Lehrermangel. Die Gemeinde ist sprachlos. Man will einen Zusammenschluss der beiden Gemeinden erzwingen. Man versucht Irgertsheim zu bewegen, einer Verbandsschule Pettenhofen beizutreten. Die Sitzung verläuft ergebnislos. 1963 legt die Gemeinde Irgertsheim die Baupläne beim Landratsamt Ingolstadt wieder vor.
Bis 1964 werden Beihilfeanträge der Gemeinde Irgertsheim zum Neubau der Volksschule immer wieder zurückgestellt
Die Gemeinde ist empört über das Hinausschieben der Genehmigung und über die Verwehrung der Zuschüsse. Die Eltern reagieren mit einem Schulstreik. Am Montag früh um 8 Uhr sitzt nur ein Kind in der Schule und zwar das des Lehrers! Nach einer einstündigen Besprechung von Bürgermeister, der Schulpflegschaft und Schulleitung wird der Streik am Mittwoch abgebrochen und die Kinder erscheinen am Donnerstag früh wieder in der Schule.
Nun kommt es zu einer schnellen Wendung. Die Regierung von Oberbayern würde entgegenkommen, wenn die Gemeinde folgende Bedingungen anerkennen würde:
a) Bedingungslose Bereitschaft mit den Gemeinden Dünzlau und Mühlhausen einen Schulverband zu gründen
b) Um den künftigen Schulverband auch mit Pettenhofen zu ermöglichen, ist der Schulhausplatz am Nordostrand von Irgertsheim zu verwenden
Ziel soll eine reichgegliederte Schule sein. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Regierung bereit, den Schulhausbau zu fördern. Eine klare Entscheidung fällt. Dipl. Architekt L. Geith, mit dem Bau der Schule betreut, übersandte die Bauverträge. Der Bau der Verbandsschule beginnt am 20.Juli 1964. Ende des Jahres 1965 geht der Bau allmählich seinem Ende entgegen. Die Einweihung findet am 12.02.1966 statt.